Insel 2km östlich von Vuorisalo --> Kuopio, 13km




Am nächsten Tag hatte der Wind aufgefrischt und der Kallavesi sah unruhig aus. Wir wollten den Tag nicht auf der Insel verbringen (obwohl wir eigentlich Zeit und Proviant hatten), und da es nur noch 8km über den offenen See waren, dachten wir, es würde schon gehen.
Während wir die Abdeckung unserer Insel verließen, wurden Wind und Wellen kontinuierlich stärker. Wir liefen ohne Segel fast Wellengeschwindigkeit, es ging also nur noch ums Ablaufen vor Wind und Wellen auf das nächste Inselchen zu.


Nachdem wir die nach ca. 4 Kilometern erreicht hatten, hofften wir, die restliche Strecke würde etwas weniger unangenehm werden, wegen größerer Ufernähe und teilweiser Abdeckung durch größere Inseln. Es wurde aber eher noch kitzliger. Die Wellen haben sich nach der Brechung an den Inseln sehr ungünstig überlagert. Es war schon vorher nicht einfach, den an sich kursstabilen Aerius mit kräftigen Paddelschlägen genau in Richtung der Wellen zu halten, aber jetzt wurde es noch schwieriger. Außerdem nahm die Wellenhöhe noch zu - im tiefen Wasser wegen zunehmender Wasserfläche in Windrichtung und im flacheren wegen brandungsartigem Aufsteilen.


Wir sind dann also nicht quergeschlagen und haben uns kielunten in eine Bucht am Seeufer bugsieren können. Aber viel mehr hätt's nicht sein dürfen. Querliegend hätte es die Wellen gar nicht gebraucht, uns umzuwerfen, da hätte der Wind alleine gereicht.
Wir haben dann geschaut, wohin es uns geweht hatte und rausgefunden, dass eine Bucht weiter (keine 200m) ein gerade neugebauter Kanal vom Kallavesi in einen geschützteren Nebensee ging, von dem man zum Campingplatz von Kuopio weiterpaddeln konnte. Der Versuch, über den See dorthin zu kommen scheiterte daran, dass wir trotz voller Kraft nicht mal gegen Wind und Wellen aus der Bucht rauskamen (Rumdrehen war kitzlig, rückwärts wieder Reinfahren ging aber gar nicht). Es wurde also eine Premiere für uns: Umtragen wegen Wind und Wetter. Der freundliche finnische Sommerhausbesitzer, über dessen Gemüsebeet wir DI.WAN. transportieren mussten, hat uns dann sogar noch beim Transport zum Kanal auf unserem Bootswägelchen geholfen.


Im Kanal angelangt, schob uns der Wind immer noch zügig voran, aber die Wellen mussten draußen bleiben und so ging es dann vergleichsweise locker zum Campingplatz. Dort angekommen waren wir uns völlig einig: sowas wie diese Überfahrt brauchen wir überhaupt nicht (Wind war wahrscheinlich 7-8Bf über längere Zeit, Wellen waren etwa 1m. Auch auf den großen Seen in Finnland im Sommer sehr ungewöhnlich).
Aber diese (unnötig) brenzlige letzte Etappe hat keinen langen Schatten auf die schöne 14-tägige Rundtour geworfen (12 Tage Paddeln und Segeln, 2 Tage Pause). Wir sind ja mit den Brandenburger Seen und der Mecklenburger Seenplatte schon verwöhnt, was große zusammenhängende Seengebiete angeht - aber die reichen nicht an das heran, was wir hier befahren haben.
Auch der erste flüchtige Eindruck, dass hier alles wie zuhause aussieht - nur größer, korrigiert sich bald. An heißen Tagen (die wir häufig hatten) trocknen die dünnen Flechten- und Moosschichten auf den Felsen völlig aus, was zusammen mit den kleinwüchsigen Kiefergehölzen, die sich gerade so darauf halten können, eine angenehm mediterane Atmosphäre erzeugt, die man auf 62 Grad nördlicher Breite eigentlich nicht mehr erwartet.
Ein kleiner Wehrmutstropfen ist, dass viele Finnen eine gewisse Vorliebe dafür haben, laute und schnelle Motorboote über abendlich ruhige Seen zu scheuchen, während höher entwickelte Arten des Wassersports wie Segeln, Rudern oder Paddeln zumindest in dieser Region weitgehend unbekannt zu sein scheinen. Die zweite Obzession, an allen Stellen des Ufers wo irgend möglich hölzerne Wochenendhäuschen aufzustellen, ist für den Wasserwanderer meistens weit weniger störend - es schränkt nur die Übernachtungsmöglichten etwas ein.